Quo vadis Gesundheit: Die Health2.0Con in London

Das gut gefüllte Auditorium

Vom 18. – 19. November fand wieder eine der hochkarätigsten Veranstaltung der internationalen Health-Startup-Szene statt: Die Health2.0Con machte auf ihrer Roadshow diesmal Halt in London, nachdem sie in 2012 in der Berliner Charité zu Gast gewesen war. Unter dem Dach des Mermaid Center, einer Konferenzlocation mitten in der City, fanden sich erneut mehrere hundert Gäste und Speaker zusammen, um sich über die Vielfalt der wachsenden e- und m-health Branche auszutauschen.

Die Keynote gab kein geringerer als Tim Kelsey, National Director of Patients and Information des NHS und damit Chefkoordinator für die flächendeckenden Einführung von Technologie in bestehende System- und Behandlungswege. Das noch im Aufbau befindliche NHS-eigene Gesundheitsportal NHS Choices verzeichnet mittlerweile schon rund 1 Million Zugriffe täglich – für ihn der Beweis, dass nicht nur Bedarf, sondern auch die Kooperationsbereitschaft in der Bevölkerung sehr hoch sind.

Bei der Vorstellung der verschiedenen internationalen Konzepte wurde deutlich, dass Anwendungen für die Quantified Self-Bewegung nach wie vor das große Trendthema sind. Eine Vielzahl von Dokumentationsapps in Verbindung mit Sensoren machen das Durchmessen des Körpers und die Dokumentation von Leistungen mittlerweile sehr einfach. Auch gab es einiges an Ideen zu sehen, die eine große Nähe zu Social Media aufweisen.

Allerdings wurde auch erneut deutlich, dass zwar viele innovative Ideen entwickelt werden, aber noch nicht wirklich viele davon schon erfolgreiche Geschäftsmodelle vorweisen können. Die Gründe hierfür sind überall die gleichen: Entweder sind die Patienten Kostenträger und die Anwendungen hier den normalen Marktgesetzen von Angebot und Nachfrage unterworfen, oder Staat und Versicherungen verhalten nach wie vor zögerlich. So mühsam und ärgerlich das auch für Entwickler ist, so nachvollziehbar sind die Gründe dafür auf Kostenerstatterseite. Der Gesundheitsmarkt ist kein Markt wie jeder Andere – noch sind Entwickler in der Bringschuld, die Wirksamkeit ihrer Anwendungen auch nachzuweisen. Bis hier die Dämme brechen, bleibt es ein zähes Ringen um Kooperationen, Partnerschaften und Zuschüsse. Die Hoffnung bleibt, dass der Entwicklerszene das wachsende Interesse brancheninterner und -externer Investoren erhalten bleibt, um auf der langen Zielgeraden nicht schlapp zu machen.

Wir trafen Veranstalter Pascal Lardier im Rahmen der Health2.0Con zum Interview. Der gebürtige Franzose ist Gründer und International Director der Kongressreihe und damit ein Kenner der internationalen Szene von Entwicklern und Investoren.

BiM: Dieses Jahr hat sich die Szene wieder in London getroffen – wie waren Ihre Erfahrungen in Berlin in 2012?

PL: Berlin ist eine fantastische Stadt – die Start-Up Szene hat einen guten Geist und speziell im Bereich Anwenderdesign habe ich unglaubliche Sachen gesehen. Ich weiß nicht, ob es überall in Deutschland so ist, aber in Berlin herrscht echte Aufbruchsstimmung. Auch was die Vertreter des Gesundheitswesens anging, haben wir gute Erfahrungen gemacht. Von der Charité war Kai Sostmann da, der im Klinikum für Social Media zuständig ist. Das Ökosystem scheint mir schon sehr weit entwickelt – es waren Pharmavertreter da, Kliniken und sogar Repräsentanten von Versicherungen. Was für uns an Berlin am spannendsten war, war die Teilnahme vieler Entwickler aus ehemaligen Ostblockstaaten. Dort gibt es extrem innovative und talentierte Ideenschmieden.

BiM: Durch das sektorierte deutsche Gesundheitswesen gestaltet sich Innovation im Moment noch zäh – glauben Sie, dass der deutsche Markt schwieriger ist als andere?

PL: Wir haben mittlerweile 17 regionale Chaptervertreter auf der ganzen Welt – ich glaube, keiner von denen würde berichten, dass es in seiner Ecke der Welt einfacher sei als anderswo. Bestimmt 55 % unserer Teilnehmer hier in London kommen aus Großbritannien, und obwohl der NHS Technologie willkommen heißt, bedeutet das nicht, dass es einfacher sei, mit ihm ins Geschäft zu kommen. In Frankreich führt kaum ein Weg am staatlichen Versicherungswesen vorbei, was ein extrem schwieriger Navigationsbereich ist, wenn man nicht sehr gut persönlich vernetzt ist. Fazit: Ich könnte spontan nicht sagen, ob es irgendwo auf der Welt bessere Bedingungen für Entwickler gibt als anderswo.

Für Deutschland kann ich nur meinen Eindruck schildern, dass mir die Versicherungswelt eigentlich recht offen erscheint, einzelne Projekte zu fördern, wenn sie denn sinnvoll sind. Zusätzlich haben deutsche Entwickler den Vorteil der Förderung durch die Pharmaindustrie – Bayer hat z. B. ein Innovationsprogramm namens „Grants4Apps“, das künftig einiges möglich machen wird. Ich glaube, dass auch außerhalb des Kostenträgersystems eine Menge möglich ist. Man darfnicht vergessen, dass Patienten auch Konsumenten sind – wenn ich als Patient einen Mehrwert in einer Anwendung sehe, dann warte ich nicht darauf, dass mir meine Versicherung oder Klinik diese schenkt, sondern ich bezahle selbst dafür.

BiM: Abgesehen von diesen Problemen ergibt sich mittlerweile für Entwickler noch ein neues Problem, nämlich das des wachsenden Wettbewerbs untereinander. Was wird aus Ihrer Sicht künftig einen Erfolg von einem Mißerfolg unterscheiden?

PL: Das erste, was mir einfällt, ist das Design. Besonders alles, was sich an Patienten richtet, wird nach anderen Gesichtspunkten als „gut“ bewertet als „nur“ für seinen medizinischen Mehrwert. Es ist nicht so, dass etwas automatisch genutzt wird, nur weil man es zur Verfügung stellt. Wenn man es angenehm für Auge und Anwendung macht, wird es mit Glück ausprobiert. Wenn man es richtig cool macht, geben Patienten eventuell sogar Geld aus, um es zu haben. Anwendungen, die eher auf Leistungserbringerseite implementiert werden, sollten von soliden wissenschaftlichen Nachweisen begleitet werden. Der medizinische Mehrwert muss mehr sein als eine Behauptung. Die Szene sollte gemeinsam daran arbeiten, für diese Vorgänge auch Standards zu entwickeln. Wenn man sich im Vergleich dazu die Einführung neuer Medikamente anschaut, so geschieht diese ja auch nach klaren Richtlinien. Das sollte eigentlich einer der nächsten Schritte sein.

 

 

 


Geschrieben von am 20. Dezember 2013
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Connecting people to a healthy future

Bild: Kaiser Permanente

Bild: Kaiser Permanente

Wie sich der US-Krankenversicherer Kaiser Permanente eine Gesundheitsversorgung mit Netzwerktechnologie vorstellt, zeigt er diesem Film…..


Geschrieben von am 28. November 2012
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Telemedizin in der Sackgasse – Patient spricht Internet

Bild: www.foto-fine-art.de / Pixelio.de

Bild: www.foto-fine-art.de / Pixelio.de

BiM-Vorstandssprecher Sebastian Vorberg  weist in seinem Blog www.medizinanwalt.de auf die Gefahr hin, dass zur Zeit nicht mal die Telemedizin wesentlich dazu beiträgt, den Graben zwischen dem Gesundheitswesen und dem Patienten im Internet zu überbrücken…

Auszug

Alle marschieren hier im Gleichschritt durch die alten Schläuche der Seilschaft. Man klopft sich auf die Schulter und man wird auch den Markt der Telemedizin in bekannter Manier unter sich aufteilen. Und kommt da mal ein Dr. Ed, als aus England agierender elektronischer Gesundheitsanbieter, um die Ecke und versucht außerhalb der Truppe sein Glück, so finden sich Wege, dem Teufel die Hörner aufzusetzen, um schließlich das Gute an solchen Vorstößen für eigene eingereihte Initiativen zu nutzen. So hat das schon immer geklappt.

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